
Im Rhythmus einer anderen Zeit
Der Nachtgarten ist weniger ein klassischer Pflanzratgeber als eine Einladung, den Garten aus einer neuen Perspektive zu erleben. Das Buch verbindet Gestaltung, Ökologie und Selbstfürsorge. Der Garten wird zum Raum voller Möglichkeiten, der mit der Dämmerung in eine andere Zeit eintritt.
von Marko Stefanovic erschienen am 23.02.2026Während Planung, Pflege und Inspiration meist am Tag stattfinden, bleibt der Garten nach Sonnenuntergang oft unbeachtet. Genau hier setzt Lena Landefeld mit ihrem Buch „Der Nachtgarten“ an. Sie lädt Gartenbesitzer dazu ein, die Perspektive zu ändern und den Garten als Erlebnisraum der Nacht zu verstehen. Dabei richtet sich die Wahrnehmung auf die Atmosphäre und das Zusammenspiel von Licht, Duft, Blüten und der nächtlichen Fauna. Landefeld versteht die Dämmerung als den Übergang, in dem sich der Mensch aus der Rolle des gestaltenden Gärtners zurückzieht und zum Maler wird, der sich vor sein vollendetes Bild setzt und genießt.
Wie Gartenbesitzer zu ihrem Nachtgarten, auch Mondgarten genannt, kommen, skizziert Landefeld in drei Schritten. Zuerst wird der Garten als nächtlicher Erlebnisraum gedacht. Darauf folgt die Bestandsaufnahme: Welche Strukturen, Düfte, Geräusche und Lebensräume sind bereits vorhanden? Im letzten Schritt wird die Nacht gezielt geplant, etwa durch Pflanzenwahl, Raumstrukturen, Wasser und zurückhaltende Beleuchtung.
Der Fokus liegt hierbei auf hellen Blüten und Blättern, die das Mondlicht reflektieren, nächtlichen Düften sowie Tieren, die den Garten beleben. Die Dunkelheit und bewusst gesetzte Akzente lenken den Blick weg von der Arbeit und hin zur Atmosphäre des Gartens. Raumstrukturen, Wiederholungen, Materialien und natürliche Muster können unser Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit beeinflussen und Diskrepanzen aufzeigen – etwa wenn hinter dem Wunsch nach einem Zaun eigentlich das Bedürfnis nach Sichtschutz und Ruhe steht.
Der Hauptteil des Buchs ist ein reich bebildertes Nachschlagewerk mit Pflanzenporträts – von Mondviole (Lunaria rediviva) und Silberkerze (Cimicifuga simplex) über Wollgras (Eriophorum), Muskateller-Salbei (Salvia sclarea) und Nachtviole (Hesperis matronalis) hin zu Gehölzen wie Faulbaum (Rhamnus frangula) oder Schwarzdorn (Prunus spinosa). Hinzu kommen Duftpflanzen, Gräser, Nachtblüher sowie Futterpflanzen für Nachtfalter.
Besonders stark im Buch ist der ökologische Fokus: Nachtfalter, Fledermäuse, Bilche, Vögel und andere nächtliche Gartenbewohner werden als integraler Bestandteil des Konzepts verstanden. Ergänzt wird dies durch zehn Beetideen – vom „romantisch-verspielten Beet“ über das „Gemüsebeet mit Nachteffekt“ bis zum märchenhaften „Schattenbeet“.
Lena Landefeld ist Dipl.-Permakultur-Designerin, Obstbaumwartin und angehende Bildungswissenschaftlerin. Sie plant private Gartenanlagen; ihr Fokus liegt dabei auf der harmonischen Zusammenführung von Natur und Kultur. Wild ist schön und wichtig, viele Gartennutzer wünschen sich aber strukturierte, klare Gärten. Um die Chance auf gelebten Natur- und Artenschutz nicht zu verpassen, entwirft Lena lebendige, pflegeleichte und klimastabile Gärten für jeden Geschmack. Besonders interessieren sie ökologische Zusammenhänge: von Schnecke und Glühwürmchen bis hin zu komplexen Agroforst-Systemen.
Tipps und Wissen rund um Permakultur und Naturgärtnern teilt sie auf Instagram unter @mithummelnbummeln.










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