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Schattengarten

Der Farngarten am „Tych“

Das Projekt „Farngarten am Tych“ zeigt die Entwicklung einer ungenutzten und überwucherten Restfläche auf einem Bauernhof zu einem artenreichen Schattengarten mit dem Fokus auf Farne. Es entstand im Rahmen des zweijährigen Weiterbildungslehrgangs Masterclass „Gestalten mit Pflanzen“ der Gärtner Graf Academy in Domat/Ems.

von Marc Aebi, suisseplan Ingenieure AG raum + landschaft erschienen am 23.02.2026
Der Farngarten am Kanal „Mühletych“ am Jura-Südfuß in der Schweiz © Marc Aebi
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Als passionierter Gärtner, Landschaftsarchitekt und Pflanzenverwender bin ich bestrebt, mein Wissen rund um Pflanzen laufend zu erweitern. Farne kamen dabei immer zu kurz. Mit einheimischen Arten konnte ich mich etwas vertiefter auseinandersetzen. Aber wie viele Arten der weltweiten Vielfalt sich tatsächlich auch bei uns kultivieren lassen, war mir zu Beginn der Arbeit gänzlich unbekannt. Mit entsprechend großem Interesse bin ich das Projekt „Farngarten am Tych“ im Sommer 2023 angegangen.

Die rund 45 m2 große Fläche auf dem Tychhof befindet sich zwischen Wohnhaus, Kantonsstraße, dem früher industriell genutzten Kanal (Mühle-)Tych und einem Container, der als Wursterei sowie zum Bierbrauen genutzt wurde. Zu Projektbeginn war die ungenutzte Restfläche mit konkurrenzstarken Arten wie Brennnesseln (Urtica dioica) oder Jungfernreben (Parthenocissus sp.) überwachsen. Diese sind stark aufgewachsen, nachdem 2019 ein großer Kirschlorbeerbestand entfernt und somit Licht auf die Fläche gebracht wurde.

Das Ausgraben der Wurzelstöcke des Kirschlorbeers entlang der Betonmauer des Tychs wurde zur großen Herausforderung. Neben den mehrheitlich unerwünschten Problempflanzen blieben auf der Fläche aber auch eine stattliche Stechpalme (Ilex aquifolium), mehrere Weiden (Salix sp.) sowie ein Bestand an Efeu (Hedera helix) entlang der Wohnhausfassade erhalten.

Standortbedingungen

Die Standortbedingungen auf der Fläche sind erstaunlich heterogen. Früher führte ein Kiesweg den Tych entlang. Das Material ist weiterhin vorhanden und der Untergrund durchlässig. An vielen Stellen hat sich über die Jahre durch Laubeintrag eine Schicht aus Oberboden gebildet. Um die Wurzelstöcke des Kirschlorbeers auszugraben, musste entlang der Ufermauer viel davon abgetragen werden. Das Material wurde in der Mitte der Fläche zu einer leichten Erhöhung modelliert. Dadurch ist in diesem Bereich eine Teilfläche mit viel Oberboden entstanden.

Entlang des Jura-Südfußes ist von einem neutralen bis leicht basischen Boden auszugehen. Die ausgehobene Grube entlang des Tychs wurde anschließend mit einer rund 30 cm starken Schicht aus torffreier Moorbeeterde aufgefüllt. So konnte eine Teilfläche mit einem niedrigeren pH-Wert geschaffen werden. Entlang der Wohnhausfassade liegt die Fläche im Regenschatten des Gebäudes. Dieser Teilbereich sowie der Bereich direkt unterhalb der bestehenden Stechpalme sind sehr trocken. Gegen den Tych hin nimmt die Feuchtigkeit stetig zu. Unmittelbar entlang der Mauer ist der Boden frisch bis feucht.

Während die gesamte Fläche des Farngartens durch die umliegenden Gebäude und Gehölze grundsätzlich als schattig bis vollschattig einzustufen ist, gibt es auch beim verfügbaren Licht kleinräumige Unterschiede. Während gewisse Teilflächen zu jeder Zeit im Schatten liegen, scheint auf einen Teil des Farngartens für ein paar Stunden am Tag die Sonne.

Um innerhalb der definierten Fläche eine größtmögliche Vielfalt an Arten etablieren zu können, sollen möglichst diverse Mikrohabitate geschaffen und dabei die heterogenen Standortbedingungen bestmöglich genutzt werden. Die Pflanzung gliedert sich demnach in sieben Pflanzflächen. Mit zusätzlichen Strukturen sollen weitere Lebensräume für spezialisierte Arten geschaffen werden.

Farne als Leitthema

Farne sollten als namensgebendes Leitthema durch den Farngarten führen. Ziel war es, für eine möglichst breite Vielfalt an unterschiedlichen Farn-Arten einen Platz zu finden. Limitierender Faktor war dabei, neben den Bodeneigenschaften und Temperaturen, die Erhältlichkeit von Farnen. Letztlich konnten über 40 Farn-Arten gepflanzt werden.

Als Struktur- und teilweise auch Texturkontrast zu den meist unverkennbaren Farnwedeln sollten Blattschmuckstauden die Pflanzung im Farngarten ergänzen. Im Schatten gedeihen besonders viele Stauden mit einem attraktiven Blattschmuck. Als weiteren, noch ausgeprägteren Strukturkontrast finden sich im Farngarten auch einzelne Gräser sowie Stauden mit einer gräserartigen Anmutung. Die filigranen, schmalen Blätter heben sich von den weiteren Arten ab und lockern das Erscheinungsbild der Pflanzflächen entscheidend auf. Dabei bringen unterschiedliche Texturen und Grüntöne zusätzliche Abwechslung in den Garten. Unter diesen Arten sind vereinzelt auch bunte Blüten zu finden.

Um die Bepflanzung zu beleben, sollten die Farne, Blattschmuckstauden und Gräser zusätzlich mit hellen Blütenfarben kontrastiert werden. Zwischen der farblich eher homogenen Pflanzenvielfalt wurde dabei ein bewusster Fokus auf helle Farben wie Weiß oder Gelb gelegt, die im tiefen Schatten besonders herausstechen. Obwohl das Augenmerk bei diesen Stauden auf der Blüte liegt, überzeugen einige Arten ebenso mit einem attraktiven Blattschmuck. Im Winter zieren auch vereinzelt stehen gelassene Frucht- und Samenstände den Farngarten. Um im Frühjahr ein buntes Erwachen nach dem Winter zu schaffen, sollten auch früh blühende Geophyten in den Garten integriert werden.

Die Pflanzenauswahl

In einem ersten Schritt wurde abgeklärt, welche Farne im Handel erhältlich sind. Die Liste der verfügbaren Farne wurde dann mit den artspezifischen Standortanforderungen abgeglichen: Welche Farne benötigen einen sauren Boden und welche Art kann auch an trockeneren Standorten stehen? Die Standorte der Farne wurden gemäß ihren Anforderungen im Projektperimeter platziert und bildeten das Grundgerüst für die Bepflanzung. Parallel dazu entstand eine Auswahl an zahlreichen möglichen Begleiterinnen. Anhand der Auswahl an Stauden und Gräsern wurde der Pflanzplan anschließend Stück für Stück aufgefüllt.

Die Dichte der Bepflanzung ist im schattigen Bereich eine Herausforderung. Große Farne und üppige Blattschmuckstauden nehmen mit der Zeit viel Platz ein, sind bei der Pflanzung aber noch winzig. Bis diese ihre effektive Größe erreichen, vergehen mehrere Jahre. In den Lücken dazwischen können sich andere Arten so lange behaupten, bis sie von den konkurrenzstarken Farnen und Stauden verdrängt werden. Somit wurden die Flächen eher dicht bepflanzt.

Nachdem im Herbst 2023 ein Großteil des Gartens bepflanzt worden war, stand im Frühling 2024 dann die zweite Pflanzetappe an. Vorgängig musste aber noch eine große Menge an gejätetem Grüngut entsorgt werden. Nach den intensiven Arbeiten für das Freiräumen der Pflanzflächen konnte die geplante Trockenmauer aus Jura-Kalkstein fertiggestellt werden. Danach konnten die Pflanzflächen umgegraben werden.

Die Qualität des Bodens war in der unteren Teilfläche deutlich schlechter. Er war verdichtet, wies stellenweise einen hohen Tongehalt auf und war mit vielen größeren Steinen durchsetzt. Zur Verbesserung des Bodens wurde dieser tief umgegraben, gelockert und gesiebter Kompost mit eingebaut. Nach der Vorbereitung der Pflanzflächen ging es erneut ans Auslegen der Pflanzen.

Auswahl verwendeter Pflanzen

Farne
  • Asplenium trichomanes
  • Asplenium x ebenoides
  • Athyrium otophorum
  • Blechnum penna-marina
  • Ceterach officinarium
  • Cheilanthes lanosa
  • Cyrtomium fortunei
  • Dicksonia antartica
  • Dryopteris sieboldii
  • Dryopteris wallichiana
  • Matteuccia struthiopteris
  • Onoclea sensibilis
  • Osmunda regalis
  • Parathelypteris beddomei
  • Polystichum polyblepharum
  • Polystichum setiferum
  • Polystichum tsus-simense
  • Pseudophegopteris levingei
  • Thelypteris palustris

Stauden und Gräser
  • Aconitum vulparia
  • Anemonopsis macrophylla
  • Astrantia major
  • Begonia pedatifida
  • Boehmeria platanifolia
  • Cardamine trifoliata
  • Cardamine bulbifera
  • Kirengoshoma palmata
  • Lamium orvala
  • Leucosceptrum japonicum ‘Golden Angel’
  • Lunaria rediviva
  • Maianthemum racemosum
  • Pachyphragma macrophylla
  • Phyteuma spicatum
  • Polygonatum verticillatum
  • Ranunculus aconitifolius
  • Sanicula europaea
  • Saxifraga rotundifolia
  • Hakonechloa macra

Herausforderungen und Ausfälle

Der Ansatz, mit dem Schaffen von vielen Mikrostandorten entsprechend viele Arten auf kleiner Fläche zu etablieren, stellt eine gewisse Herausforderung dar. Im ersten Standjahr sind im Farngarten folgende konkrete Herausforderungen aufgetreten:

  • Die Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus) ist schlecht angewachsen. Anhand des Wuchses und des Erscheinungsbildes gehe ich davon aus, dass die Bedingungen für diese Art etwas zu feucht sind.
  • Die gegenteilige Herausforderung zeigte sich bei einzelnen Elfenblumen (Epimedium pubigerum ‘Orangenkönigin’). Unter der Stechpalme und im Regenschatten des Wohnhauses wurde es für einzelne Exemplare zu trocken.
  • Beim Echten Waldmeister (Galium odoratum) kam es Anfang Sommer zu starkem Schneckenfraß. In der zweiten Sommerhälfte sind aber alle Exemplare wieder gut ausgetrieben und konnten sich an ihrem Standort etablieren.
  • Das Christophskraut (Actaea spicata) sollte einen prominenten Platz auf dem zentralen Erdhügel erhalten. Während man das Christophskraut in den umliegenden Wäldern im Jura an schattigen Standorten findet, trieb das gepflanzte Exemplar im Farngarten bisher nur knapp aus. Die Staude war bei der Pflanzung noch sehr klein.

Problempflanzen aus dem Bestand

Obwohl der allgemeine Beikrautdruck erstaunlich gering war, gab es trotzdem einzelne Arten, die bei der Initialpflege im ersten Standjahr beachtet werden mussten. Dabei galt es, die Arten zu regulieren, die sich in den letzten Jahren auf der Fläche bestens etablieren konnten:

  • Auch wenn auf der Fläche nur stellenweise humoser Boden vorhanden war und es kaum Nährstoffeinträge gab, wuchsen viele Brennnesseln auf der Fläche. Auch nach der Pflanzung sind immer wieder einzelne Exemplare aufgekommen. Da der Boden in den Pflanzflächen aber gut gelockert wurde, ließen sich die aufkommenden Brennnesseln mit geringem Aufwand mitsamt Wurzelwerk entfernen.
  • Die Jungfernrebe hatte den Farngarten vor der Aufwertung beinahe flächig bewachsen. Zusätzlich wuchs sie in der Stechpalme sowie entlang des Fallrohrs hoch bis zum Dach des Wohnhauses. Ihre Triebe und Wurzeln sind so ausgebildet, dass sich beim Versuch, die Pflanze auszureißen, meist nur die äußere Hülle der Pflanze löst. Das hat das vollständige Entfernen der Pflanze zu einer großen Herausforderung gemacht. Im vergangenen Jahr sind an einzelnen Stellen immer wieder Triebe aus kleinen Wurzelstücken ausgetrieben. Diese konnten aber problemlos entfernt werden.
  • Vereinzelt kamen auf der Fläche auch Brombeeren auf, die aus Wurzelstücken austreiben konnten. Dadurch, dass die Brombeeren entlang ihrer Triebe rasch neue Adventivwurzeln ausbilden und sich dadurch schnell ausbreiten können, gilt es diese laufend zu regulieren. Die robusten Stacheln entlang der Triebe machen das Entfernen der Pflanze zu einer zusätzlichen Herausforderung.

Neu aufkommende Problempflanzen

Neben den zu erwartenden Problempflanzen aus dem Bestand kamen auf der Fläche auch neue, unerwünschte Arten auf. Dabei wurden einige Arten wahrscheinlich mit den Pflanzen aus den jeweiligen Gärtnereien ungewollt importiert. Andere wurden allenfalls im eingebauten Bodenmaterial eingeschleppt. Neben der torffreien Moorbeeterde aus der Gärtnerei wurde auch Kompost vom hofeigenen Komposthaufen eingebaut. Möglich ist auch, dass durch den Umbruch des Bodens bereits vorhandene Samen keimen konnten.

  • Das Aufkommen der Echten Zaunwinde (Calystegia sepium) in fast allen Pflanzflächen war auffällig. Da beim Entfernen der vorhandenen Vegetation im Rahmen der Vorarbeiten keine Winden vorhanden waren, liegt der Gedanke des unerwünschten Einführens dieser Art nahe. Durch regelmäßiges Auszupfen – bestenfalls mit der gesamten Wurzel – konnte diese Art aber im Zaum gehalten werden.
  • Sämlinge des Efeus (Hedera helix) kamen ebenfalls beinahe flächig auf. Am wohlsten fühlten sich diese im Bereich der aufgefüllten Moorbeetfläche. In diesem lockeren Material konnten die Sämlinge aber auch laufend gut gejätet werden.
  • Neben diesen Arten kamen auch mehrere nicht näher bestimmte Korbblütler auf. Diese bilden eine kräftige Pfahlwurzel aus, ähnlich wie bei einem Gewöhnlichen Löwenzahn (Taraxacum officinale). Das Jäten war bei diesen Pflanzen somit nicht so einfach. Die wenigen Exemplare wurden aber trotzdem laufend entfernt.

Fazit und Ausblick

Das Projekt konnte in der vorgegebenen Zeit erfolgreich umgesetzt werden. Auch nach dem Abschluss im Rahmen der Masterclass soll das Projekt fortgeführt und weiterentwickelt werden. Neben der laufenden Pflege soll auch weiterhin Platz für weitere Raritäten im Farngarten geschaffen werden. Eine mögliche Erweiterung ist auch das Experimentieren mit Pilzen und Moosen. Auch die Begrünung der Trockenmauer ist längerfristig geplant. Dazu muss sich das Erdmaterial aber zuerst in die Spalten und Ritzen der Mauer einwachsen, um einen geeigneten Nährboden für spezialisierte Farne und Stauden zu bieten. Um einen bestmöglichen Lerneffekt zu schaffen, sollen die Pflanzen – insbesondere die Farne – gut leserlich beschriftet werden.

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