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Interview mit Fatih Yetgin 

Wenn Licht, Raum und Atmosphäre zusammenfinden   

Gartenplaner Günter Mader und Lichtplaner Fatih Yetgin teilen vor dem Hintergrund ihrer langjährigen Zusammenarbeit ihre Erfahrungen und zeigen, wie im Zusammenspiel von Gartenplaner und Lichtplaner stimmungsvolle Nachtansichten entstehen. 

von Interview: Günter Mader erschienen am 23.02.2026
Ein am tiefsten Punkt dieses großen Privatgartens gelegenes Baumrondell mit sieben Kaiserlinden wird durch Bodeneinbaustrahler sehr zurückhaltend akzentuiert. © Bernhard Schmitt ONUK
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Zur Person
Fatih Yetgin
Der diplomierte Architekt und Lichtplaner aus Karlsruhe entwickelt mit seinem Büro „Licht + Planung“ seit vielen Jahren atmosphärische Lichtkonzepte für Innen- und Außenräume. Er verbindet technisches Know-how mit architektonischem Feingefühl und zeigt, wie Licht Räume strukturiert und Emotionen prägt.
Günter Mader: Schon vor einigen Jahren habe ich erkannt, dass für eine anspruchsvolle Lichtplanung als Gartenplaner ein erfahrener Fachmann hinzugezogen werden muss. Mit welchen Gestaltungselementen arbeitest du und was willst du mit deiner Lichtgestaltung erreichen?  Fatih Yetgin: Wir arbeiten mit allen gestalterischen Lichtwerkzeugen, die der Markt bietet – von Bodeneinbau- und Pollerleuchten über Spießstrahler bis hin zu asymmetrischen oder eng strahlenden Lichtquellen wie Bodeneinbaulichtlinien. Entscheidend ist für uns nicht das einzelne Produkt, sondern die Lichtwirkung im Raum. Unser Ziel ist es, dass der Außenraum bei Nacht zur Erweiterung des Innenraums wird. Stell dir vor, du sitzt im Wohnzimmer und schaust hinaus. Ohne Licht im Garten siehst du nur dein eigenes Spiegelbild in der Glasscheibe – der Außenraum verschwindet. Durch gezielt gesetztes Licht öffnen wir diesen Raum wieder. Es entsteht Tiefe, Orientierung und Atmosphäre – und der Garten bleibt auch nachts ein erlebbarer Teil des Hauses. 
Die Baumkronen des Rondells reflektieren genügend Licht, um hier an diesem Tisch an Sommerabenden eine Partie Schach zu spielen.
Die Baumkronen des Rondells reflektieren genügend Licht, um hier an diesem Tisch an Sommerabenden eine Partie Schach zu spielen. © Bernhard Schmitt ONUK
Zu einer guten Lichtplanung im Garten gehören unbedingt auch Begehungen und Tests bei Dunkelheit. Welche Bedeutung haben diese nächtlichen Ortstermine für dich?  Wie wir beide aus Erfahrung wissen, ist Planung immer nur Theorie – erst die Nacht zeigt die Wahrheit. Eine nächtliche Bemusterung ist unverzichtbar. Erst im Dunkeln zeigt sich, ob eine Leuchte wirklich das leistet, was sie soll, ob sie blendet oder sanft führt, ob sie genug Licht spendet, um einen Treppenlauf sicher zu machen, oder ob irgendwo noch ein Akzent fehlt. Diese Ortstermine sind für mich der Moment, in dem die Planung lebendig wird – wenn Licht, Raum und Atmosphäre zusammenfinden und spürbar wird: Jetzt stimmt es. 
Immer wieder kommt von Lichtplanern die Frage, mit welcher Höhe bei Stauden-, Gräser- und Gehölzpflanzungen zu rechnen ist, um Abstrahlwinkel, Strahlertyp und das Leuchtmittel planen zu können. Im Unterschied zur Architektur gibt es in der Gartenarchitektur stets veränderliche Größen der Vegetation zu beachten. Eine frisch angelegte oder gerade zurückgeschnittene Staudenpflanzung bietet keine brauchbare Reflexionsfläche, eine voll entwickelte Pflanzung überwuchert den Bodenstrahler oder das LED-Band und erfordert einen regelmäßigen Rückschnitt.  Genau, ortsveränderliche Spießstrahler eignen sich beispielsweise gut, da sie sich flexibel an die Vegetation anpassen. Einige dieser Leuchten verfügen sogar über einen Zoom-Effekt, mit dem sich der Abstrahlwinkel variieren lässt – so bleibt die Gestaltung auch dann beweglich, wenn der Garten wächst und sich verändert. Auch die Beleuchtung selbst sollte flexibel bleiben. Steht an einer Stelle lediglich eine einzelne Staude, ergibt es wenig Sinn, dort einen Strahler zu platzieren, der im Winter keine Wirkung entfalten kann. Eine weitere Möglichkeit ist, mit Schaltgruppen zu arbeiten. So lässt sich die Beleuchtung von Staudenpflanzungen im Winter einfach abschalten, während andere Szenen weiterhin aktiviert bleiben. Letztlich ist es immer ein Zusammenspiel: Wir passen das Licht dem Garten an, damit er in jeder Jahreszeit und Wachstumsphase stimmig inszeniert bleibt – lebendig, wandelbar und authentisch. 
Ein Seitenzugang zum Garten wird durch Stufenleuchten, die in Granitpalisaden eingesetzt wurden, angenehm beleuchtet. Eine originelle Skulptur wird durch eine geschickte Beleuchtung zum Zielpunkt des Weges.
Ein Seitenzugang zum Garten wird durch Stufenleuchten, die in Granitpalisaden eingesetzt wurden, angenehm beleuchtet. Eine originelle Skulptur wird durch eine geschickte Beleuchtung zum Zielpunkt des Weges. © Bernhard Schmitt ONUK
Bodeneinbaustrahler scheinen nicht immer die beste Wahl zur Inszenierung eines Baumes zu sein. Ja, das stimmt absolut. Es gibt Bäume, deren Kronen so dicht gewachsen sind, dass ein Bodeneinbaustrahler kaum Wirkung entfalten kann. In solchen Fällen arbeiten wir lieber mit Spießstrahlern, die sich flexibel positionieren lassen und den Baum gezielt von vorne oder leicht schräg unten anstrahlen. So entsteht der maximale Lichteffekt – die Struktur, die Farbigkeit und die Tiefe des Laubs kommen viel stärker zur Geltung. Der Bodeneinbaustrahler ist nicht immer die beste Wahl – entscheidend ist, wie das Licht am Ende wirkt und ob es gelingt, den Charakter des Baumes im jeweiligen Moment des Jahres wirklich einzufangen.  Das Element, das wir hervorheben und ins Rampenlicht stellen, muss dieser Rolle auf der Gartenbühne gewachsen sein – es braucht eine attraktive, ausdrucksstarke Vegetation. Eine im Basisbereich dürre Eibenhecke oder ein viel zu kleiner Baum, der mit einem Bodenstrahler hervorgehoben wird, erscheinen durch nächtliche Beleuchtung unpassend. Hier ist Sensibilität gefragt.     Hier zeigt sich, wie wichtig Erfahrung und Fingerspitzengefühl in der Lichtplanung sind. Nicht jedes Gehölz verträgt die gleiche Inszenierung – und nicht jedes Motiv verdient die große Bühne. Für fein strukturierte oder filigrane Bäume verwenden wir Einbaustrahler mit geringer Leistung und angepasstem Ausstrahlwinkel, um ihre zarte Form nur dezent hervorzuheben. Denn Licht soll nicht bloß beleuchten, sondern betonen – und dabei immer respektvoll mit dem umgehen, was die Natur geschaffen hat. Die Kunst besteht darin, Maß zu halten und genau zu wissen, wann weniger tatsächlich mehr ist. 
Der Treppenlauf aus Jura-Kalkstein wird durch dezente, nur nach unten strahlende Spießstrahler so gut beleuchtet, dass er sicher zu begehen ist.
Der Treppenlauf aus Jura-Kalkstein wird durch dezente, nur nach unten strahlende Spießstrahler so gut beleuchtet, dass er sicher zu begehen ist. © Bernhard Schmitt ONUK
Ich hoffe, du bist mir nicht böse, wenn ich hier sozusagen öffentlich gestehe, dass ich für meinen Lieblingsplatz im Garten keinerlei Kunstlicht, sondern lediglich ein Windlicht habe, in der hintersten Ecke meines Gartens, dort, wo im Juli tanzende Glühwürmchen zu sehen sind. Das kann ich sehr gut verstehen. Lichtplanung ist immer auch Schattenplanung. Manchmal ist es wichtiger, Dunkelheit zu bewahren, als alles in Szene zu setzen. Das richtige Maß ist dabei entscheidend – und dieses Maß ergibt sich immer aus dem Wunsch des Menschen, der dort lebt. Es gibt Kunden, die lieben das große Licht, die Offenheit, den Glanz. Andere sitzen lieber in zartem Minimallicht, vielleicht sogar nur bei Kerzenschein – so wie du. Beides ist richtig. Unser Anspruch ist es, diese Haltung zu erkennen und in Licht zu übersetzen.  Wir arbeiten analytisch, beobachten, wie jemand mit Licht umgeht: Fühlt er sich geborgen im Dämmerlicht oder sicher in der hellen Struktur? Genau das herauszufinden und daraus eine individuelle Lichtatmosphäre zu gestalten – das ist die eigentliche Kunst eines Lichtplaners.  Gleichzeitig würde ich es schätzen, wenn auf dem Rückweg zum Haus meine Gäste mit Gläsern und geleerten Flaschen von einer dezenten Lichtführung begleitet werden, damit ich keine Sorge haben müsste, dass sie stürzen könnten. Natürlich gibt es wegbegleitend auch sehr dezente Leuchten – wie wir es ja zum Beispiel gemeinsam in unserem Projekt in Weyher in der Pfalz gesehen haben. Es muss nicht immer die große Geste sein. Manchmal genügt eine Lichtstärke wie bei Mondschein, um Gäste sicher und stimmungsvoll wieder zurück ins Haus zu führen. 
Der für Familienfeste konzipierte Gartenpavillon wird blendfrei durch LED-Lichtleisten auf der Mauerkrone beleuchtet. Die helle Deckenuntersicht dient als Reflexionsfläche. Die Treppe wird durch unregelmäßig angeordnete LED-Linearbeleuchtungen beleuchtet, die in einen Falz der Stufen verdeckt eingelassen sind und dadurch nicht blenden.
Der für Familienfeste konzipierte Gartenpavillon wird blendfrei durch LED-Lichtleisten auf der Mauerkrone beleuchtet. Die helle Deckenuntersicht dient als Reflexionsfläche. Die Treppe wird durch unregelmäßig angeordnete LED-Linearbeleuchtungen beleuchtet, die in einen Falz der Stufen verdeckt eingelassen sind und dadurch nicht blenden. © Fatih Yetgin
Metallstege verbinden eine moderne Villa mit einem historischen kleinen Gästehaus und einem Saunaanbau. Damit der Steg auch bei Dunkelheit angenehm und sicher zu begehen ist, wurden nur nach unten leuchtende Pollerleuchten entlang des Weges eingesetzt.
Metallstege verbinden eine moderne Villa mit einem historischen kleinen Gästehaus und einem Saunaanbau. Damit der Steg auch bei Dunkelheit angenehm und sicher zu begehen ist, wurden nur nach unten leuchtende Pollerleuchten entlang des Weges eingesetzt. © Rainer Kölmel
Es gilt auch, die Ziele des Naturschutzes zu berücksichtigen. „Lichtverschmutzung“ ist das Stichwort dazu, das auch als Thema in Bauherrengesprächen auftritt. Was können wir entgegnen?     Ja, das Thema Lichtverschmutzung ist absolut relevant – genauso wie der Insektenschutz. Es geht im Kern darum, Licht gezielt und verantwortungsvoll einzusetzen: Nur dort, wo es wirklich gebraucht wird, und nicht dort, wo es Schaden anrichtet. Wir planen so, dass Licht gelenkt wird – nicht gestreut. Es soll Orientierung geben, Sicherheit schaffen und Atmosphäre erzeugen, ohne die Nacht zu verdrängen. Ich finde, das ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck einer bewussten, respektvollen Haltung gegenüber der Natur. Für mich gehört dieser Gedanke heute selbstverständlich zu einer verantwortungsvollen Lichtplanung – genauso wie Ästhetik oder Funktionalität. 
Glatte Flächen von Mauern oder Pflanztrögen bieten sich gut für das Streiflicht von LED-Bändern an.
Glatte Flächen von Mauern oder Pflanztrögen bieten sich gut für das Streiflicht von LED-Bändern an. © Bernd Haugrund
Einbauleuchten in Gebäuden funktionieren meist schadensfrei über Jahrzehnte, bei Gartenbeleuchtung kommt es leider immer wieder zu Ausfällen, deren Ursachen dann schwer aufzuklären sind. Mal wurden Kabel beschädigt, sei es versehentlich vom Gärtner bei Grab- oder Schnittarbeiten oder von Nagetieren. Oft entstehen auch Defekte durch Korrosion an den Leuchten. Wie können wir solchen Ärgernissen vorbeugen?  Ja, das ist tatsächlich ein wiederkehrendes Thema. Zum Glück hat sich mit der LED-Technik vieles verbessert – die Chips sind heute meist vollständig in Epoxidharz vergossen und dadurch sehr gut gegen Feuchtigkeit geschützt. Trotzdem bleibt der fachgerechte Einbau entscheidend. Es liegt in der Verantwortung des Elektrikers, Leitungen und Verbindungen beispielsweise mit Panzerrohren zu sichern. Die größten Schwachstellen sind fast immer die Übergänge – also vom Strahler zum Trafo und vom Trafo zum Hauptstrom. Diese Anschlüsse müssen unbedingt wasserdicht ausgeführt sein, idealerweise mit dem Schutzgrad IP68, also unterwassertauglich. Nur so lässt sich eine langlebige und störungsfreie Gartenbeleuchtung realisieren. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus hochwertigen Produkten, sorgfältiger Installation und Erfahrung. Wir begleiten unsere Projekte deshalb oft bis zur Umsetzung, um dem Installateur gezielt Hinweise zu geben – damit das Licht auch nach vielen Jahren noch Freude bereitet. 
Unser Ziel ist es, dass der Außenraum bei Nacht zur Erweiterung des Innenraums wird. Fatih Yetgin
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