
Der Zauber von leuchtendem Wasser
Quellstein, Pool, Bachlauf oder feine Nebellandschaft: Wasser steht, wenn es vorhanden ist, fast immer im Zentrum eines durchdachten Lichtkonzepts für den Garten. Beleuchtete Bäche, Brunnen, Teiche oder Pools entfalten nachts eine besondere Wirkung – das Spiel von Licht auf bewegten oder stillen Wasserflächen sorgt für Tiefe und Atmosphäre. In der Gartenbeleuchtung wird Wasser so zur idealen Ergänzung gezielter Lichtakzente: Klare Linien und fließende Formen bilden einen spannenden Kontrast zu den ruhigen, strukturierten Elementen des Gartens.
von Judith Supper erschienen am 23.02.2026Die Sonne ist untergegangen, Grillen zirpen, man hört das sanfte Plätschern eines Quellsteins – und folgt das Auge dem Geräusch, wird es eines atmosphärischen Glimmens ansichtig, das das Wasser von innen erstrahlt. Von allen Elementen im Garten ist Wasser vielleicht dasjenige, das am meisten zum Einsatz von Licht einlädt. Dunkle Teiche, sanft fließende Bäche, Brunnen, Fontänen oder Wasserfälle eröffnen vielfältige Beleuchtungsmöglichkeiten, die Gartenräume auch nach Einbruch der Dunkelheit neu definieren.

„Reines Leuchten ist langweilig“
Bewegtes oder stehendes Wasser – was hat in Sachen Dramaturgie die Nase vorn? Dazu Roger Gosztola von der Staub Designlight AG aus dem Schweizer Stansstad: „Ganz klar bewegtes Wasser, und zwar von innen beleuchtet – es macht einfach mehr Spaß.“ Ein Brunnen oder Gewässer mit Wasserfall wirke immer dann besonders reizvoll, wenn der Lichtkegel von innen nach außen dringt. Dort, wo der Wasserstrahl ins Becken fällt, entstehen Schwingungen. „Das gibt Leben. Reines Leuchten ist langweilig.“
Am wichtigsten ist, dass die eingesetzten Leuchtelemente auch wirklich wasserdicht sind. „IP68 bedeutet nicht automatisch dauerhafte Untertauchbarkeit“, gibt Gosztola zu bedenken. „Teilweise gilt dieser Schutz nur für kurze Zeit, was für ein dauerhaft installiertes Unterwasserlicht nicht reicht. Es muss 24/7 wasserfest sein. Deswegen unbedingt auf IP68, 100 Prozent wasserdicht, achten.“

Beleuchtete Wasserelemente sind immer im Gesamtkontext des Gartens zu betrachten. Erst das Zusammenspiel von Pflanzen, Steinen oder architektonischen Elementen erzeugt Spannung. Werden etwa im Naturpool die Pflanzen des Regenerationsbeckens sanft angestrahlt, entstehen durch das Licht ungeahnte Gartenbilder. Hier appelliert Gosztola an die Vernunft. „Aus Rücksicht auf die Tierwelt sollte man den Garten nicht stundenlang vollständig ausleuchten. Vor allem Lichtfarben ab 4.000 K werden von Tieren als unangenehm empfunden. Warmweißes Licht um 2.700 K wirkt deutlich schonender. Das ist zudem die Lichtfarbe, die wir zu rund 90 Prozent verkaufen.“
Für Gosztola ist die schönste Gartenbeleuchtung jene, die wir tagsüber nicht wahrnehmen. Sein Rat: weg von den hohen Pollerleuchten, hin zu szenischen Lichtbildern. Moderne Smartsteuerungen erleichtern das. „Wenn ich im Garten essen will, aktiviere ich eine entsprechende Szene – dann leuchten Grill und Pergola, das Licht am Quellstein bleibt aus.“ Voraussetzung dafür ist ein Umdenken weg vom klassischen „1-Schalter-Prinzip“, das den Garten total ausleuchtet. „Eine gut geplante Gartenbeleuchtung ist mit einer Sternverkabelung aufgebaut. So lassen sich einzelne Leuchten zusammenfassen und in unterschiedlichen Gruppen ansteuern. Falls erforderlich, kann sogar jede Leuchte einzeln geschaltet werden.“
Nebellandschaften als Prisma
Neue Impulse zum Thema „beleuchtetes Wasser“ kommen aktuell aus dem Tessin. 2015 ist das Unternehmen Nephos Swiss Fog erstmals mit einer Nebellandschaft an der Giardina aufgefallen. Seither hat es zahlreiche Außenräume mitgestaltet, beispielsweise die Piazzetta Remo Rossi in Locarno oder den Spa-Bereich der Villa Arzaga Garda im italienischen Calvagese della Riviera.

Nephos ist auf Anlagen spezialisiert, die feinsten Sprühnebel erzeugen. Reines Wasser wird unter Hochdruck (100 bar) über Düsen zerstäubt und bildet Millionen mikroskopisch kleiner Tröpfchen. Beim Verdunsten entziehen sie der Umgebung Wärme, was die Temperaturen senkt. „Dabei handelt es sich um das physikalische Prinzip der adiabatischen Kühlung“, erklärt Nephos-Gründer Nicola Colombo. Zahlreiche Städte nutzen diesen Effekt bereits, um öffentliche Räume an heißen Sommertagen abzukühlen. „Im privaten Garten lässt sich damit ebenfalls arbeiten – mit sehr geringem Wasserverbrauch.“ Angesichts zunehmend heißer Sommer und knapper werdender Ressourcen gewinne das Thema an Bedeutung. „Durch ein Wassersprühnebelsystem im Garten kann die Umwelt kühl und feucht gehalten und die Luft gereinigt werden. Ein frischer Garten mit reiner Luft und einem emotionalen, szenischen Effekt ist an sich bereits attraktiv. Werden zusätzlich Pflanzen integriert, die feuchte Umgebungen lieben – wie Farne und Moose –, wird natürlicher Nebel zu einem eigenständigen Gestaltungselement.“

Durch eine Linse gebündeltes Licht
Die faszinierenden Nebelbilder entstehen nicht durch künstliche Beleuchtung, sondern indem sie das natürliche Sonnenlicht einfangen. Entscheidend ist die richtige Platzierung im Garten sowie das Zusammenspiel von Licht, Form, Luftströmung und Wind. „Nebel besteht aus Millionen winziger, transparenter Wasserkugeln. Das Licht, das sie durchdringt, bündelt sich wie durch eine Linse – deswegen entsteht der stärkste Effekt immer im Gegenlicht.“ Besonders eindrucksvoll ist das Schauspiel in den frühen Morgenstunden: Die erste Sonne lässt den Nebel aufleuchten, seine ständige Bewegung verstärkt die Wirkung. Feine Tröpfchen, die sich auf dem Boden absetzen, erzeugen zusätzlich einen zarten Tau-Effekt.
Zwar hat Nephos durch die Giardina 2016 Aufmerksamkeit erregt – anno 2026 wird das Unternehmen aber nicht vertreten sein. „Unsere Systeme sind in kollektive Projekte integriert und müssen inszeniert werden – und nicht durch die Ausstellung von Rohren, Pumpen und Düsen“, erklärt Colombo dazu. „Wir verkaufen Emotionen!“
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